Hast du auch Haarseife?

 

Das ist mir jetzt unangenehm. Ehrlich. Ich weiß gar nicht, wie ich dir das schonend beibringen soll. Ich winde mich. Aber ich muss es sagen!

Also kurz und schmerzlos: Haarseife ist gar keine Haar-Seife. Es ist einfach nur … Seife.

 

So, jetzt ist es heraus. Aber wie komme ich zu dieser ungeheuerlichen Behauptung?

 

Nun, ich werde gefragt. Sobald ich erzähle, was ich beruflich mache, kommt garantiert wenige Sätze später die Frage: „Hast du auch Haarseife?“ Lange Zeit war meine Antwort: „Nein, für Haare habe ich bisher noch keine.“

 

Das war zwar ehrlich, aber unbefriedigend. Für die potentielle Kundschaft und für mich auch. Also habe ich recherchiert und nach Rezepten gesucht. Zuerst bei den anderen Seifensiedern. Dann in der einschlägigen Literatur. Zuletzt bin ich sogar durch die Drogerien gegangen und habe mir die Inhaltsstoffe der dort angebotenen Haarseifen durchgelesen!

 

Ich kam immer zu dem gleichen Ergebnis: Es gibt keinen signifikanten Unterschied.

 

Warum wird Haarseife dann als „Haarseife“ angeboten? Oder als „festes Shampoo“ oder „Shampoo-Bar“ oder wie sie sonst noch genannt wird?

Ganz einfach: Es gibt zwar keinen Unterschied, aber dafür gleich zwei (!) Besonderheiten: die Zutaten und das Schaumverhalten.

 

Wie jetzt, die Zutaten? Habe ich nicht gerade erklärt, die Rezepte wären alle gleich?

Nur nicht verwirren lassen, ich erkläre ja schon!

 

Wenn ich Seife siede, dann verwende ich Fette und Öle und mische sie mit Natronlauge. Dabei geschieht eine chemische Reaktion und aus dem Kokosfett, dem Olivenöl und all den anderen wird ein wunderbares Stück Pflege.

Jedes Fett hat aber unterschiedliche (Pflege-)Eigenschaften. Manche davon sind eben besonders gut (oder zumindest angeblich besonders gut) für die Haarpflege und die werden natürlich in den Haarseifen bevorzugt eingesetzt. Sehr beliebt ist zum Beispiel Rizinusöl, es kommt in fast allen empfohlenen Rezepten für Natur-Haarseifen vor.

 

Rizinusöl ist aber auch eine tolle Zutat für „normale“ Seifen, weil es für sehr schönen Schaum sorgt. Ich verwende es zum Beispiel in der „Gräfin Auguste“, in „Hekates Verführung“ und im „Wandersmann“.

 

Womit ich auch schon zum nächsten Punkt komme: dem Schaumverhalten.

Wozu brauchen wir Schaum? Der Schaum hilft dabei, die Seife zu verteilen. Auf der Haut geht es auch ohne ganz gut, aber in den Haaren ist das etwas Anderes! (Vertraut mir, ich kann mit meinem dichten, lockigen Haar ein Lied davon singen.) Aber er erleichtert nicht nur das Verteilen, sondern auch das Ausspülen.

 

Hast du schon einmal Haarseife benutzt, dein Haar war nach dem Waschen wunderbar weich und zwei Tage später fühlte es sich nur noch fettig und strähnig an? An dieser Stelle wird gerne etwas von Kalkseife und sauren Rinsen erzählt, aber daran liegt DAS überhaupt nicht. Kalkseife ist nämlich hart und spröde und wir reden hier von fettig und strähnig.

Das, was sich da in, auf und an den Haaren abgelagert hat, ist meistens Restfett aus der Seife. Naturseifen brauchen eine gewisse Überfettung, wegen der Pflegewirkung. Wenn dieses Restfett nicht ordentlich ausgespült wird, dann bleibt es auf dem Kopf. Das ist für ein paar Stunden ganz toll und gerade trockenes Haar freut sich vielleicht sogar darüber, aber dann… naja.

 

Das kann verhindert oder zumindest reduziert werden, wenn die Seife gründlich ausgespült wird und das geht besser, wenn sie gut schäumt.

Diesen üppigen Schaum kann man auf unterschiedliche Arten erreichen. Vor allem durch die Auswahl und die Menge der richtigen Fette. Meine „Gräfin Auguste“ zum Beispiel schäumt ohne Ende, „Freyas Schatz“, die fast schon eine Duschbutter ist, schäumt kaum.

Eine weitere Möglichkeit ist der Zusatz von Zitronensäure in der Seife, dadurch schäumt sie auch ein bisschen besser.

 

Das war im Grunde schon alles. Das sind die „großen“ Unterschiede zwischen Haarseife und Hautseife. Natürlich kann man auch Haarseife noch aufpeppen und auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen. Genau wie für die unterschiedlichen Hauttypen gibt es auch diverse Kräutlein und Zusätze für blondes, braunes, lockiges, fettiges und jedes andere Haar, das dich schmücken könnte. Mein „Wandersmann“ zum Beispiel ist mit Pfefferminz und Löwenzahn auch auf dem Kopf sehr erfrischend.

 

 

Damit bin ich wieder am Anfang: „Hast du auch Seife für die Haare?“ Aber inzwischen antworte ich mit einem klaren „Ja! Ich habe Seife für die Haare. Welche davon für deine Haare passt, musst du allerdings selber herausfinden.“


Wozu brauche ich eine saure Rinse?

Diese Frage beantworte ich demnächst. Der Artikel ist in Arbeit.


Was bedeutet "Überfettung" (ÜF)?

Das ist schnell erklärt:

Naturseife wird aus Fetten hergestellt. Also Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter und so weiter.

Diese Fette werden mit Lauge gemischt und dabei entsteht Seife. Kurz gesagt. Damit die wunderbare, pflegende Wirkung der Fette aber nicht ganz verloren geht und die Seife noch dazu die hauteigenen Fette abwäscht, „verseift“ man sie nicht vollständig.

 

Einen Teil lässt man übrig, der die Seife dann vom „Waschstück“ zum „Pflegestück“ werden lässt. Dieser überschüssige Fettanteil, das Restfett nennt man Überfettung. Durchschnittlich sind das zwischen 4 % und 8 %. Bei sogenannten „Duschbuttern“ können es auch bis zu 40 % sein, das ist dann aber schon sehr viel mehr Pflege- als Waschstück.

 

 

Es kommt natürlich auch auf die Art des Fettes an, aber anhand der ÜF-Zahl kannst du ungefähr einschätzen, wie stark die Seife auf der Haut rückfettet. Also wie „eingecremt“ du dich nach dem Waschen wahrscheinlich fühlen wirst. Je höher die Zahl, umso mehr Fett wurde übrig gelassen.


Was ist Duschbutter?

Duschbutter ist Seife zum Eincremen. Quasi.

Es ist extrem überfettete Seife, die während des Waschens direkt super pflegt und die Lotion nach der Dusche ersparen soll. Durch diese hohe Überfettung wird sie aber schneller aufgebraucht als andere Seifen, das muss dazugesagt werden.

Meine „Freyas Schatz“ und „Ahnas Lohn“ kommen einer Duschbutter sehr nahe.

 

Ich persönlich mag echte Duschbutter nicht so gerne. Mir gefällt das Gefühl von Fett auf der nassen Haut nicht. Oder nur in Ausnahmefällen, nach extrem windigen Tagen oder mehreren Stunden vor der Autoheizung zum Beispiel. Dann tut sie mir gut.

 

Meine Tochter dagegen liebt sie heiß und immer! Ihre Haut scheint das Fett regelrecht zu trinken. So findet jeder, was er oder sie am liebsten mag!


Naturkosmetik?

Wie gerne würde ich hier jetzt einfach "Ja!" schreiben... Aber alleine die Tatsache, dass ich Seife herstelle, erlaubt mir das nicht. Seife entsteht nämlich durch einen chemischen Prozess zwischen Fett und Lauge. Laut Definition sind chemische Verarbeitungsprozesse in der Naturkosmetik nicht erlaubt. (Nachzulesen zum Beispiel auf der Homepage der AGES: hier klicken )

 

Naturseife wird nur deshalb „Naturseife“ genannt, weil ihre Ausgangsstoffe natürlichen Ursprungs sind. Also die Fette, Farben und Düfte sind tatsächlich natürlich gewachsen und wurden nicht künstlich im Labor hergestellt. Der Begriff „natürlich“ wird allerdings sehr breitgefächert ge- oder besser benutzt. Hier liegt die Entscheidung beim Verbraucher, ob er oder sie mit dem Erzeuger des Produkts diesbezüglich einer Meinung ist.

 

Wieder ABER:

Alleine meine Lebenseinstellung (und diverse rationale Gründe) erlaubt es mir nicht, der Natur und der Umwelt großen Schaden zuzufügen oder ihn auch nur zu fördern. Deshalb kann ich versprechen, dass ich die Rohstoffe für alle meine Produkte nur von Lieferanten beziehe, denen ich in dieser Hinsicht vertraue. Natürlich kann ich nicht jede Kokospalme und jedes Rapsfeld überprüfen, aber irgendwo muss die eigene Kontrolle auch aufhören dürfen. Außerdem habe ich am eigenen Leib erlebt, was ich alles erfüllen musste, um überhaupt produzieren und endlich verkaufen zu dürfen und kam dadurch zu dem Schluss: Bis zu einem gewissen Grad kann man sich tatsächlich auf die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen verlassen! Regelmäßiges, kritisches Hinterfragen immer vorausgesetzt.


Sind die Seifen umweltfreundlich?

Meine Seifen sind so umweltfreundlich, wie es bei Seifen eben möglich ist. Hier die wichtigsten Punkte warum und die Grenzen:

 

1.       Ich produziere in einem geprüften Raum zu Hause. Das heißt, für meine Produktion wurde keine weitere Fläche zugebaut, ich verbrauche keinen Treibstoff, um zur Arbeit zu kommen und auch keine weitere Energie für Heizkosten usw. Da ich meistens bei Tageslicht arbeiten kann, fällt gerade einmal der Strom für 2 Minuten Stabmixer an.

 

2.       Ich verpacke meine Seifen für den Transport in Papier und in Zellglas. Das ist kompostierbar.

 

3.       Ich achte beim Einkauf meiner Rohstoffe auf Anbieter, die auf Nachhaltigkeit achten.

 

4.       Ich gehe eher sparsam mit Farbstoffen um. Wenn ich „buntere“ Farbe verwenden möchte, als Kräuter und Blüten, dann nehme ich hauptsächlich Aktivkohle, Tonerde und mineralische Pigmente.

 

5.       Für 1 kg Seife benutze ich ca. 1 L Öl, ca. 100 bis 150 g Natronlauge und ca. 300 ml Wasser. Natronlauge ist eine sehr „chemische“ Substanz. Auch die Verseifungsreaktion ist ein chemischer Vorgang, welcher tatsächlich in der Natur praktisch nicht vorkommt. Es sei denn, man bringt Lauge und Fett zusammen, was zum Beispiel passiert, wenn man tierische Opfergaben verbrennt. Dann fängt der nahe gelegene Fluss irgendwann an zu schäumen, die Wäsche wird dort sauberer und die Menschen, die darin baden, werden seltener krank. Trinken des Wassers ist nicht mehr so gut. Soviel nur kurz zur Entdeckung von Seife.

Das ist übrigens der Grund, aus dem Seife laut Gesetz nicht unter „Naturkosmetik“ fällt. Weil ein chemischer Vorgang notwendig ist, um sie herzustellen.

 

6.       Obwohl ich kein Palmöl verwende und auf Nachhaltigkeit achte, fällt auch zum Beispiel das Sonnenblumenöl nicht sauber vom Himmel.
Egal, wie „biologisch“ die Landwirtschaft geführt wird, natürliche Artenvielfalt sieht anders aus. Außerdem muss man auch die Mengen beachten, die der Markt verlangt. Ich wage zu denken, dass 1 L Palmöl, der aus einer Palme kommt wahrscheinlich umweltfreundlicher wäre, als 1 L Rapsöl, für den x Quadratmeter Erde verbaut werden.

Nebenbei ist auch die Regionalität begrenzt. Ich brauche schon ein paar feste Fette und das sind vor allem Kokosöl, Sheabutter und Olivenöl (ich weiß, dass das flüssig ist, aber es macht feste Seife). Die regionalen Alternativen sind Butter oder Schmalz. Die sind nicht vegan.

 

7.       Ähnliches gilt für den Duft. Wenn die Seife duften soll, habe ich 2 Möglichkeiten: Ätherische Öle oder Parfümöle. Ich verwende beides.

Ätherische Öle sind zwar mehr oder weniger „natürlich“, aber darüber, ob die riesigen Lavendelfelder, Rosenplantagen usw. ökologisch wirklich wertvoll sind, lässt sich auch nachdenken. Es ist eine Recherche wert, herauszufinden,  WIE viele Kilogramm Blüten man braucht, um ein paar Milliliter ätherisches Öl zu gewinnen. Ich persönlich finde sie zu kostbar für Seife, verwende sie lieber tropfenweise in Cremen, Diffuser oder im sonstigen Hausgebrauch, wo sie sich richtig entfalten können.
Außerdem reagieren immer mehr Menschen mit Hautreizungen und Allergien auf die ätherischen Öle, weswegen ich mit dem Einsatz vorsichtig sein muss.

Parfümöle haben zwar niemals eine echte Pflanze gesehen, dafür können sie auf verhältnismäßig kleinem Grund und mit verhältnismäßig geringem Energieaufwand in großen Mengen hergestellt werden. Außerdem reagieren weniger Menschen darauf allergisch oder überempfindlich.

 

Selbstverständlich kann ich jederzeit eine Charge ganz ohne zusätzlichen Duft herstellen. Gerne auf Bestellung, ich muss dann nur auf eine Mindestabnahmemenge von ca. ½ kg bestehen. Die Zielgruppe dafür ist sehr klein und für die meisten Nasen „stinkt“ die Seife dann.