Warte, ich rette dich!

Ich hatte einmal ein peinliches Erlebnis:

 

Ich wollte einen speziellen Schwimmstil üben und sah dabei im Wasser sicherlich nicht sonderlich elegant aus. Trotzdem hatte ich langsam das Gefühl, echte Fortschritte zu machen – ich war voller Eifer bei der Sache! Bis jemand versucht hat, mich zu retten. Im brusttiefen Wasser.

 

Ich habe dann lange nicht mehr öffentlich geübt. Im Klartext bedeutet das: gar nicht. Ich hatte ja keinen Pool im Wohnzimmer und wo kann man sonst „nicht öffentlich“ schwimmen üben?

 

Zum Glück hat sich dieses peinliche Gefühl wieder gelegt und inzwischen beherrsche ich diesen Schwimmstil ganz passabel. Doch das Ereignis gibt mir nach wie vor zu denken, vor allem in letzter Zeit werde ich immer wieder daran erinnert, wenn ich auf Social Media unterwegs bin.

 

Egal ob LinkedIn oder Facebook und Co, überall wimmelt es von Coaches. Man braucht nur zu flüstern, es gäbe ein Thema – in welchem Leben gibt es keines - schon stürzt sich jemand darauf, um die perfekte Lösung anzubieten! Manche raten auch ins Blaue, es gibt ja Themen, die fast jeder hat. Als Gegenleistung wird auch nur (viel) Geld verlangt, denn man muss es sich schon selber wert sein. Während des Coachings lernt man dann, Geld ist (Lebens-)Energie… Ich hoffe, die Ironie ist deutlich erkennbar.

 

Natürlich klingt das im ersten Moment toll. Ein paar Gespräche, ein paar Übungen und schon sind alle alten Verstrickungen gelöst und ich kann mich meiner Lebensaufgabe widmen, die mir übrigens nur noch Spaß und Freude bringt! „Mit Leichtigkeit zurück in den Alltag!“

 

In manchen Fällen ist so eine Begleitung sicherlich sinnvoll. Bei einer Neugründung zum Beispiel oder um eine stark belastende Situation zu verlassen.

 

Aber ehrlich? Ein paar Schritte im Leben darf ich auch alleine gehen! Ich darf albern dabei aussehen, stolpern, scheitern und von vorne beginnen. Bis es klappt. Ohne dass mich jemand retten will. Ständig „hilfreich dargebotene“ Hände, bringen mich nicht weiter, sondern höchstens aus dem Gleichgewicht.

 

 

Ich bin froh, kein Coach zu sein. Ich möchte mich nicht auf jede Mücke stürzen müssen, um sie zum sprichwörtlichen Elefanten großzureden, nur um sie danach wieder kleinzuradieren. Ich bin froh, NICHT vom Unglück anderer Menschen abhängig zu sein!


Klar, ich will mit meinen Angeboten das Leben auch schöner und leichter machen. Das ist der Sinn eines jeden Unternehmens. Doch der Großteil meiner Kunden möchte sich einfach ein kleines Stück extra Luxus gönnen. Damit kann ich gut leben.