Die neuen Gartenzwerge

Es ist doch immer die gleiche Geschichte:

 

Früher war sie still, oft wirkte sie mürrisch, jetzt hat sie Angst. Und dazwischen? Dazwischen war sie für kurze Zeit glücklich gewesen. Das hübsche, junge Mädchen wollte plötzlich den ganzen Tag singen und tanzen! Dabei kannte sie sich selbst nicht wieder, aber ich weiß es: Es lag an den Handwerkern, die seit einigen Tagen in der Burg arbeiteten. Besser gesagt, an einem ganz bestimmten, jungen Tischler...

 

Doch, wie es das Schicksal will, blieb ihre Veränderung nicht unbemerkt und ihr strahlendes Gesicht bezauberte auch andere. Zum Beispiel einen alten, reichen Burgherren, der ebenfalls zu Gast im Hause war. Eigentlich müsste sich das Mädchen freuen, denn war das nicht der Grund, aus dem alle adeligen Töchter Zofe bei einer Burgherrin werden wollten? Um standesgemäß und reich zu heiraten?

 

Trotzdem wollte ihr schier das Herz zerbrechen und so nahm sie all ihren Mut zusammen und bat die alte Waldfrau um Hilfe, von der in der Burg gar seltsame und unheimliche Geschichten erzählt wurden. Die Alte betrug sich aber recht freundlich gegenüber dem Mädchen und wollte sie in der nächsten Vollmondnacht abholen.

 

Nun geht sie verschleiert durch den dunklen Wald, ihr Herz klopft und sie ist bereit, sich von diesem Leben zu verabschieden. Denn nichts anderes denkt sie, als dass die Waldfrau ihr bestimmt ein Gift geben würde, das ihr Leid beenden sollte.

Was sie nicht weiß: Die alte Frau nutzt das helle Mondlicht nur, um den Weg besser zu finden und auch ihr Sohn kommt sie am liebsten an solchen Abenden besuchen, weil er nicht über alle Wurzeln stolpert. Ihr Sohn ist Tischler im Dorf...

Katharina Vasicek - www.maerchenundseife.at